Mal wieder zieht es uns in den Süden Deutschlands, diesmal auf die schöne Ostalb, um genau zu sein, nach Bopfingen auf den Härtsfeldhof, ein Reiterhof für Kinder und Erwachsene.
Laut einem Cavallo-Bericht im April 2002 ist die Sitzschulung an der Longe dort sehr gut. Und darauf kommt es mir für mich an. Melanie nimmt am Ferienprogramm teil und Christopher soll täglich eine halbe Stunde therapeutisches Reiten mitmachen. Wolfgang möchte einfach nur relaxen, viel lesen, schlafen, mal nichts tun... tut er auch, wenn auch anders als gedacht, aber dazu später.
An- und Unterkunft
Der Härtsfeldhof liegt hoch oben auf dem Berg in wunderschöner Umgebung: Dort residieren wir in einer traumhaft schönen Ferienwohnung. Sie ist über zwei Etagen angelegt und das Dachgeschoss kann auch als Tanzsaal herhalten :-)
Dann versuchen wir, einen Durchblick durch die Organisation auf dem Härtsfeldhof zu bekommen. Wir haben leider die Einführungsrunde verpasst, aber nach einigem Fragen haben wir's dann auch geschnallt.
Das Team vom "Härtsi"
Da ist zunächst mal Martha Bruckmeyer,sie ist die Chefin, bei der letztendlich alle Fäden zusammenlaufen. Sie unterrichtet die Anfänger in der kleinen Halle, hat ihre Augen und Ohren überall, immer ein Lächeln und sowohl energische als auch liebe Worte für jeden, der mit seinem Kummer oder seiner Begeisterung zu ihr kommt
Nicht weniger wichtig ist Inge, zuständig für die Einteilung der Pferd/Reiterpaare und alles andere, was mit den Pferden zu tun hat. Auch sie ist überall und nirgends gleichzeitig, schafft das Futter ran, morgens früh sieht man sie als erste über den Hof und in die Ställe gehen, hat Obacht auf ihre Lieblinge und mehr als einmal kommen deutliche Worte an die Reitschüler, wenn sie den Anordnungen zum Umgang mit den Pferden nicht Folge leisten. "Tatsch dem net so am Maul umanander, noachher schnappt er, dann langst ihm a Paar, dabei hätst des du verdient, denn des Pferd ka nix dafür!"... Recht hat sie, denn die Pferde auf dem Hof sind alles andere als abgestumpft! :-)
Peter ist für alles zuständig, was nicht direkt mit Pferden zu tun hat, er ist Kummerkasten, Vermittler bei Streit, Programmdirektor für die Freizeit außerhalb des Unterrichts, pflegt die website und bei allem was er tut, hatte ich immer das Gefühl, jedes einzelne Kind liegt ihm am Herzen, und dass er sich dennoch innerlich gemütlich zurücklehnt und zuschaut, wie sich die Dinge entwickeln.
Stefanie und Iris sind die Reitlehrerinnen für Fortgeschrittene und "Sonderschüler", also z.B. reine Sitzschulung an der Longe oder Einzelunterricht
Die Stalljugend sind die Helfer in allen Lebenslagen... vom Theorieunterricht über Bastelangebote, Grillfest oder geführte Ausritte, Anleitung beim Kehrdienst bis hin zum DJ auf der Abschiedsdisco... sie sind einfach immer parat.

Die Verwaltungskraft ist für einen reibungslosen Ablauf im Hintergrund verantwortlich, das Hauswirtschaftsteam sorgt für das leibliche Wohl der Gäste, aber auch in diesem Bereich sind alle anderen mit engagiert, ob Reitlehrer, Chefin, Stalljugend... jeder macht alles, was grad nötig ist.
... und last but not least die Pferde , der Mittelpunkt des Härtsfeldhofes!
Knapp 50 sind es, vom pfiffigen Shetty...

...bis zum Riesenwarmblut, vom Powerpaket bis zum geduldigen Anfängerpferd - es ist für jeden Reitschüler ein passendes dabei. Sensibel und gut ausgebildet, vierbeinige Lehrmeister par excellence!
Jedes Pferd hat an der Box eine Nummer, auf der Tür der Sattelkammer ist eine entsprechende Liste und jedes Ausrüstungsteil des Pferdes ist eben mit dieser Nummer versehen. So hat jedes Pferd sein ihm angepasstes Sattel- und Zaumzeug und ihm entsprechende Hilfszügel.
Der Unterricht allgemein
Die Kinder sind in 4 Fortgeschrittenen und 4 Anfängergruppen eingeteilt zu je 10 Kindern. Jaja, auf dem Hof tummeln sich in der Hauptferienzeit 80 Kinder, was man aber wirklich kaum merkt.
Der Umgang mit den Pferden auf dem Hof hat mich wirklich begeistert. Es wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder ruhig mit ihnen umgehen, Leckerchen füttern ist streng verboten, denn sie wollen sich keine Bettelpferde erziehen.
Das wird nicht einfach so gesagt, sondern von Peter gleich in der Einführung, die in der großen Halle stattfindet, erklärt: " Bedenkt, dass hier sehr viele Menschen mit den Pferden umgehen und Pferde wollen wissen, ob der Mensch, der da vor ihm steht, ihm etwas zu sagen hat. Deshalb testet euer Pferd euch erst mal aus. Das ist ganz normal. Wenn ihr aufmerksam lernt, dann habt ihr keine Probleme. "

Therapeutisches Reiten für Christopher
Christophers Therapiestunden finden meist auf den Wegen rund um den Reiterhof statt, er wird geführt und macht dabei seine Gymnastik, und hat am Ende der drei Wochen sehr schöne Fortschritte in Sachen Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht gemacht. An einem Tag regnet es so stark, dass an draußen reiten nicht zu denken ist. So darf er mit in die Anfängergruppe und ich muss sagen, er hat da super mitgehalten. Sogar traben im leichten Sitz ist ihm gut gelungen!
Melanies Reitwochen
Bevor es nun das erste Mal auf's Pferd geht, wird jedes Kind nach seiner Vorbildung in Sachen Reiten und nach seinem Gewicht gefragt. Entsprechend werden die Pferde zugeteilt.
Melanie wird erst mal in die absolute Anfängergruppe eingeteilt, denn sie hatte ja noch keinen Reitunterricht. In der Abteilung sind 10 Pferde, das ist viel, eigentlich zu viel, aber es ist erstaunlich, wie Martha Bruckmeyer trotzdem jeden der Schüler im Blick hat und ohne Unterlass korrigiert, aufmuntert, erklärt, den Pferden Anweisungen erteilt... und ganz zu Beginn _jedes_ Pferd erst mal an die Longe kommt... alle gleichzeitig! Da steht sie in der Mitte und hat im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Die Pferde dieser Stunde denken aber überhaupt nicht daran, Extratouren einzulegen, so dass die Longen eher der psychologischen Sicherheit des Reiters dienen.
"Naus in die Ecken... drück ihn mit dem inneren Schenkel hinaus, schau hin wo du hin willst... nach oben und unten wachsen... net klopfen mit dem Schenkel, drücken ...."
nachdem alle Anfängerkinder diese erste Stunde hinter sich gebracht haben (es folgen noch drei vergleichbare Gruppen), wird neu gemischt... absolute Anfänger, Anfänger, fortgeschrittene Anfänger und weit fortgeschrittene Anfänger.
Bei den Fortgeschrittenen in der großen Halle geht es ähnlich zu, nur natürlich ohne Longen ;-). Hier werden konsequent auch Reiter aus der Gruppe genommen und zu den Anfängern gesteckt, weil: "in der Gruppe lernen sie nix, die sind noch nicht so weit und unsere Pferde lassen wir uns auch nicht verreiten"...
Die meisten Kinder bleiben eine Woche, wir hatten zwei geplant und bleiben drei, und jede Woche kommt Melanie ein bisschen weiter vorwärts in ihrem Können und legt am Ende der dritten Woche auf ihrem erklärten Liebling Sidun die Prüfung zum Kleinen Hufeisen ab.

Prüfung .... Bestanden :-))

Sitzschulung an der Longe - Special für Birgitt
Ich dachte mir, ich könnte jeden Tag eine Longenstunde nehmen, damit ich recht viel lerne... in der vierten Unterrichtsstunde lässt Stefanie mich nach 10 Minuten absitzen. Sie meint, dass ich erst mal all das, was ich bis dahin gelernt habe, verarbeiten muss und verordnet mir 2 Tage Pause. Danach geht es tatsächlich wesentlich entspannter weiter und besser voran.
Stefanie hat die Gabe, den Reitschüler seine Fehler selber spüren zu lassen, (mir klingt immer noch ihr "Fühlscht des?" im Ohr) und nach diversen Übungen erspürt man dann auch die positive Veränderung. Junior, mein vierbeiniger Lehrherr, reagiert so feinfühlig auf den veränderten Sitz, dass ich glatt süchtig nach diesem weichen Schwingen seines Rückens werden könnte ;-)
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Steffi und Junior, die so viel Geduld mit mir hatten.
Wolfgangs Nichtreiterurlaub
Und was hat Wolfgang, der absolute Nichtreiter, die ganze Zeit gemacht? Nun, er hat planmäßig viel gelesen, geschlafen, relaxed... nur leider nicht bei uns auf dem Hof und das kam so:

Wolfgang wollte Melanie gleich am zweiten Urlaubstag auf dem riesengroßen Luftkissen, das zum Hof gehört, zeigen, wie man einen Salto macht. In seinem Alter sollte man vorsichtig mit so was sein, meinten später auch die Ärzte im Heidenheimer Krankenhaus. Als Wolfgang nämlich vom Luftkissen kam, tat ihm die rechte Kniekehle weh. Bestimmt eine Zerrung, dachten wir. Bein hochlegen... 2 Stunden später wurde der Schmerz aber schier unerträglich, der Unterschenkel begann zu kribbeln, wurde kalt und taub. Wir suchten dann die Ambulanz des örtlichen Krankenhauses auf, die einen arteriellen Gefäßverschluss feststellten und leider nicht vor Ort operieren konnten, obwohl sie eine Spezialklinik für Gefäßchirurgie sind, denn sie haben sonntags keinen Anästhesisten da... Pech für Wolfgang, der, mit Morphium zugedröhnt, per Rettungswagen nach Heidenheim gebracht und dort 6 Stunden lang notoperiert wurde. Es war kurz vor knapp, aber die Ärzte konnten sein Bein retten. Am nächsten Morgen war eine weitere OP notwendig, da die Nerven im Unterschenkel noch abgedrückt waren. Bis sich die Muskeln und Nerven wieder vollständig regeneriert haben, werden noch einige Monate vergehen.

So kam es, dass wir eine weitere Woche auf dem Härtsfeldhof verbringen durften. Wir hatten Glück, dass wir auf dem Hof in eine andere FeWo umziehen konnten.
Und hier muss ich unbedingt noch an ganz großes Dankeschön an Martha Bruckmeyer und ihr Team loswerden. Danke für die liebevolle Fürsorge, dass Sie trotz des ganzen Ferientrubels immer ein offenes Ohr für unsere speziellen Probleme hatten, für die Selbstverständlichkeit mit der Sie alle Extrawünsche, die wir so hatten, erfüllten. Auch, wenn das Wohlergehen der Pferde bei Ihnen im Mittelpunkt steht und sie die Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihnen erziehen wollen, der Mensch selbst kam mit seinen Sorgen und Nöten nie zu kurz!
Wenn auch unser Urlaub nicht ganz planmäßig verlief, es war eine schöne Zeit auf dem Härtsfeldhof und wir sagen im Wortsinn:
